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Neue Zugangsbeschränkungen

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Karin Ortner
23. April 2013
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Wer an der Linzer Johannes Kepler Universität ein Studium der Wirtschaftswissenschaften oder der Sozialwirtschaft beginnen will, muss sich neuerdings einem verpflichtenden Aufnahmeverfahren unterziehen.  Die erste Phase besteht aus einer Online-Registrierung und aus einem Motivationsschreiben („Warum will ich dieses Fach studieren?“). Beides muss bis zum 31. Mai 2013 erledigt sein. Wenn sich bis dahin mehr Studierende melden, als Plätze zur Verfügung stehen, startet die zweite Phase, eine schriftliche Prüfung. Die Verfahren sind von Universität zu Universität unterschiedlich, Informationen wie sie jeweils aussehen, finden sich hier.

Zurück nach Linz: Das Aufnahmeverfahren wird nur einmal im Jahr angeboten. Wer also vorhat, im Sommersemester 2014 mit einem Studium in den besagten Fächern zu beginnen, muss das Aufnahmeverfahren schon jetzt absolvieren.

Das erschwert vor allem für Berufstätige den Zugang zu diesen Studien, weil zu diesem frühen Zeitpunkt häufig noch nicht gesagt werden kann, ob man zum Beispiel eine Bildungskarenz genehmigt bekommt.

Unverständlich ist, warum an der JKU ausgerechnet Sozialwirtschaft einer Beschränkung unterliegen soll. Dieses österreichweit einzigartige Studium vereint wirtschaftliche Sichtweisen mit sozialer Verantwortung – was in Zeiten wie diesen sowohl für Manager/-innen in der Privatwirtschaft als auch im Non-Profit-Bereich notwendige Skills wären. Als Arbeiterkammer Oberösterreich haben wir uns dazu bereits zu Wort gemeldet.

Ganz generell haben die Aufnahmebeschränkungen aber auch eine gesamtgesellschaftliche Komponente: In Österreich gibt es eine hohe „Vererblichkeit“ von Bildung. Haben die Eltern keinen Hochschulabschluss, sind die Chancen, dass die Kinder einen haben werden, sehr gering. Die Ursache dafür liegt bekanntermaßen nicht im größeren Können der Akademikerkinder, sondern im unterschiedlichen Zugang zu Bildung. (Siehe hiezu einen interessanten Blogbeitrag der Kolleg/-innen von Arbeit und Wirtschaft zur Ganztagsschule.) Hier hat es in den letzten Jahren keine nennenswerten Verbesserungen gegeben. Und die Erfahrung zeigt leider, dass jede zusätzliche Hürde beim Zugang vor allem jene Menschen von einem Studium abhält, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben.

Wir dürfen gespannt sein, welche Erfahrungen die Studierenden mit diesen Aufnahmeverfahren machen.

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