Wenn Kinder eine Stadt regieren

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Sabine Stadler
31. August 2026

Jedes zweite Jahr verwandelt sich Salzburgs Eisarena in den Sommerferien in einen Ort, an dem Kinder das Sagen haben: Mini-Salzburg. Hier gestalten Kids und Teens zwischen 8 und 14 Jahren ihre eigene Stadt, inklusive Rathaus, Bank, Polizei, AMS, Zeitung, Bäckerei, Werkstätten und allem, was zu einer richtigen Stadt dazugehört. Drei Wochen lang können sie jeden Tag in unterschiedliche Berufe schlüpfen, arbeiten, studieren, mitreden und vor allem: selbst ausprobieren. Nebenbei erfahren die Kinder, wie eine Stadt funktioniert, wie Arbeit organisiert ist, wie Entscheidungen getroffen werden und was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Lernen, ohne dass es sich nach Lernen anfühlt.

Mini-Salzburg kann einiges vorweisen: Rund 6.300 Kinder waren heuer dabei, bis zu 1.200 täglich. Gemeinsam haben sie an 50 Spielstationen mehr als 43.000 Stunden gearbeitet und studiert. Es gab Wahlen, 1.000 Vollbürger, Mini-TV Sendungen, Zeitungen, Museumsausstellungen, drei Taxis und sogar 48 Hochzeiten. Und natürlich braucht eine Stadt auch eine eigene Währung: In Mini-Salzburg wird mit Saletti bezahlt.

Auch die Arbeiterkammer Salzburg war gemeinsam mit Gewerkschaft und BFI mittendrin. Besonders wichtig war eine Frage, die auch in der echten Arbeitswelt von Bedeutung ist: Wie soll eine Arbeitswelt aussehen, in der Kinder gesund arbeiten, etwas lernen und dabei auch noch Freude haben? Besonders gerne sind die Kids als kleine Forscher:innen unterwegs und befragen andere Kinder zu ihren Ideen. Romy, Mona, Madeleine, Anna, Leonie, Magdalena, Gabriel, Amelie, Mia, Lara und Emilian haben Fragen rund ums Lernen und Studieren gestellt, hier sind ihre Ergebnisse:

Die Kinder stellen sich das Lernen so vor: Vokabeltests sollten spielerisch gestaltet werden, zum Beispiel in Form von Hangman. Statt mündlichen Prüfungen sollte Activity gespielt werden und kleine Belohnungen für richtige Antworten wären erwünscht. Besonders beliebt war auch der Gedanke, bei richtig beantworteten Fragen kleine Belohnungen aus einem „Spaßglas“ zu bekommen. Eine Gruppe hatte außerdem einen einfachen Wunsch: „Wir wollen uns die Themen für manche Prüfungen selbst aussuchen.“ Oft genannt wurden auch Paarprüfungen oder Prüfungen im Freien für mehr Abwechslung. Statt still am Tisch zu sitzen, befürworten einige mehr Bewegung.

Bei der Frage nach einem Fach, welches Eltern wahrscheinlich für überflüssig halten, waren die Kinder besonders kreativ. Neben den Fächern „Eltern-Kinder-Tausch“ und „Flugunterricht“ war eine Idee besonders originell: „Auf Urlaub fahren“ als eigenes Schulfach sollte eingeführt werden. Die Begründung? Kinder lernen auf abenteuerliche Weise, Verantwortung zu übernehmen und bekommen eine Pause vom Schulalltag.

Aber wie sieht in den Augen der Kinder eine Vorlesung aus, die Spaß macht? Auffallend sind die Wünsche nach mehr Abwechslung und Kreativität. Essenspausen, Musik oder Fragen zum Mitmachen gehören auf jeden Fall dazu. Studieren stellen sich die Kinder „gechillt, gemütlich und vor allem nicht so streng wie in der Schule“ vor.

Besonders inspirierend war auch die Antwort auf die Frage, ob man nach der Schule denn überhaupt noch weiterlernen würde. Da sind sich die Kinder einig: Ja! Eine Gruppe formulierte es besonders schön: „Auf jeden Fall! Es gibt immer irgendetwas, das man noch nicht kann und von anderen lernen kann, ganz egal wie alt man ist.“ Lebenslanges Lernen ist also schon für die Kinder selbstverständlich.

Zum Abschluss wurden die Kinder gefragt, ob sie lieber jeden Tag etwas Neues erleben oder genau wissen möchten, was auf sie zukommt. Die meisten entschieden sich klar für die Abwechslung. Neues ausprobieren, eigene Interessen entdecken und diese später dann auch vertiefen, genauso soll Lernen und Studieren in Zukunft aussehen.

Diese Gespräche in der Kinderstadt haben gezeigt, wie viel Kreativität in den Kindern steckt. Vielleicht liefern ihre Ideen sogar die eine oder andere Inspiration dafür, wie man das Lernen in Zukunft noch spannender und interessanter gestalten kann. Das Team der AK Salzburg schickt jedenfalls ein großes Dankeschön an den Verein Spektrum und an alle Kinder, die mitgemacht, gefragt, diskutiert und ihre Ideen geteilt haben und ganz besonders an die junge Blog-Autorin und Praktikantin Elisa Bauer.

Der Blog Beitrag wurde von Elisa Bauer zusammen mit Kindern der Kinderstadt verfasst: Romy T., Mona T., Madeleine G., Anna, Leonie, Magdalena, Gabriel, Amelie, Mia, Lara und Emilian

Weitere Infos: Kinderstadt Mini-Salzburg | Spielen heißt lernen!

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Sabine Stadler
Sabine Stadler ist Referentin in der Abteilung Bildung Jugend und Kultur in der Arbeiterkammer Salzburg. Sie hat an der Johannes Kepler Universität in Linz Wirtschaftswissenschaften studiert und 2004 ein Erasmus-Jahr in Finnland verbracht. Nach dem Studium war sie vier Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Paris Lodron Universität Salzburg tätig. 2011 übernahm sie für zwei Jahre die Bereichsleitung in einem Sozialökonomischen Betrieb. Nach der Geburt ihres Sohnes ist sie 2014 bei der Arbeiterkammer Salzburg in die Bildungsabteilung eingestiegen.

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