Im Zeitraum Jänner/Februar 2026 hat die Arbeiterkammer Oberösterreich mittels Online-Umfrage mehr als 1.500 Studierende an den Oberösterreichischen Hochschulen zu ihrer Lebenslage befragt. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor und unterstreichen erneut, was bereits aus den Studierenden-Sozialerhebungen bekannt ist:
- Arbeiten und Studieren ist für viele Realität und beeinträchtigt oft den Studienerfolg.
- Bei den Rahmenbedingungen für berufstätige Studierende gibt es Luft nach oben.
- Studierende im 2.Bildungsweg und aus Arbeiter:innenfamilien sind besonders betroffen und studieren unter teils sehr erschwerten Bedingungen.
Mehr als drei Viertel der befragten Studierenden an den Oberösterreichischen Hochschulen sind berufstätig. Dieser Wert liegt deutlich über dem Österreich-Durchschnitt von 68 Prozent laut jüngster Studierenden-Sozialerhebung 2025. Rund 23 Prozent der Studierenden an den OÖ Hochschulen arbeiten in Form von Praktika oder Gelegenheitsjobs. 54 Prozent sind hingegen laufend neben dem Studium erwerbstätig. Die Hälfte dieser Gruppe der laufend erwerbstätigen arbeitet mehr als 20 Wochenstunden, jede:r Fünfte davon sogar 35 oder mehr Wochenstunden.
Idealerweise ist die berufliche Tätigkeit während des Studiums fachnah, vermittelt praxisbezogenes Wissen und erleichtert den Arbeitsmarkteinstieg nach dem Studienabschluss. Für die Gruppe der laufend neben dem Studium erwerbstätigen Studierenden zeigt sich jedoch überwiegend ein anderes Bild: Drei Viertel von ihnen geben an, dass sie sich ihr Studium ohne Erwerbstätigkeit nicht leisten können. Sie arbeiten tendenziell in Berufen, bei denen Flexibilität im Vordergrund steht, um Studium und Beruf vereinbaren zu können. Besonders betroffen sind Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern und jene mit verzögertem Studienbeginn, z.B. im zweiten Bildungsweg.
Zielstrebig und dabei mehrfach belastet
Der Richtwert, um ein Bachelor- und Masterstudium als Vollzeitstudierende:r in der Mindeststudiendauer zu absolvieren, liegt bei 30 ECTS-Punkten pro Semester. Im Durchschnitt streben die laufend erwerbstätigen Studierenden einen Zeitaufwand für das Studium von 24 ECTS pro Semester an. Sie bleiben auch bei höherem Stundenausmaß im Durchschnitt konstant über 20 angestrebten ECTS. Berufstätige Studierende sind also trotz Mehrfachbelastung zielstrebig und engagiert.

Mit zunehmendem Ausmaß der Erwerbstätigkeit sinkt die Zufriedenheit mit dem Studienfortschritt, von 91 Prozent bei keiner bzw. zeitlich begrenzter Erwerbstätigkeit auf 82 Prozent bei Teilzeit unter 20 Wochenstunden bis hin zu 65 Prozent bei 35 oder mehr Wochenstunden. Die Abbruchsneigung von sieben Prozent bei geringfügiger Beschäftigung verdreifacht sich bei einer Vollzeitbeschäftigung. Wird zusätzlich zur Erwerbstätigkeit die Vereinbarkeit eher schlecht bzw. schlecht bewertet, steigt die Abbruchsneigung sogar auf 25 Prozent. Hier zeigen sich die Grenzen der Vereinbarkeit von Studium und Beruf deutlich. Ab einem Erwerbsausmaß von über 20 Stunden in der Woche ist ein Kipp-Punkt erreicht und die Abbruchsneigung steigt sprunghaft an. Der kürzlich veröffentlichte Kernbericht zur Studierenden-Sozialerhebung 2025 unterstreicht diesen dynamischen Zusammenhang ebenfalls und bezeichnet ihn als „Trade-Off“ zwischen finanziellen Problemen, Erwerbstätigkeit und Studienproblemen, der sogar schon ab einem Erwerbsausmaß von 11 Wochenstunden feststellbar ist.
Vereinbarkeit, Druck und psychische Gesundheit
Das AK OÖ Studierenden-Barometer 2026 zeigt überdies: Angesichts der andauernden Herausforderung, Studium und Beruf zu vereinbaren, sind erwerbstätige Studierende besonders belastet. Laufend berufstätige Studierende bewerten ihr Wohlbefinden in mehreren Aspekten signifikant ungünstiger als Vollzeit-Studierende. 16 Prozent empfinden ihr allgemeines Wohlbefinden im Studium als eher nicht gut bzw. nicht gut, bei den Vollzeit-Studierenden sind es nur neun Prozent. Dieses negative Muster zeigt sich auch bei der Bewertung des Studienfortschritts (23 vs. neun Prozent), bei der körperlichen (29 vs. 19 Prozent) sowie der psychischen Gesundheit (43 vs. 35 Prozent). Zudem verschärft die anhaltende Teuerung die Situation, weil der Druck zur Existenzsicherung und damit zu höherem Beschäftigungsausmaß steigt und gleichzeitig der Studienerfolg nicht leiden soll. Im beschreibenden Teil der Umfrage werden die Wirkungen der Mehrfachbelastung besonders deutlich: Sie erwähnen ein „Gefühl, nirgends [weder im Studium, noch im Beruf] etwas zu bewegen“, bemerken, dass „die Semester vergehen, ich aber nicht wirklich weiterkomme“ und erleben das „Gefühl, nicht gut genug zu sein“ . Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Selbstwirksamkeitsüberzeugung nehmen ab, die Abbruchsneigung steigt.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich setzt sich weiterhin dafür ein, die Bedingungen für berufstätige Studierende, Arbeiter:innenkinder und im 2.Bildungsweg zu verbessern. Am 5.11.2026 wird dazu im Kongresssaal der Arbeiterkammer Linz die Tagung „Studieren Zukunft geben – Durchlässigkeit und soziale Fairness fördern“ von 13 bis 17 Uhr stattfinden. In diesem Rahmen werden alle Studienergebnisse nochmals ausführlich vorgestellt, gute Praxis vor den Vorhang geholt und mit Studierenden- und Hochschulvertreter:innen diskutiert. Herzliche Einladung bereits jetzt, die Details werden zeitgerecht hier im Blog bekannt gegeben.