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Fernstudium im Check: Ein Absolvent berichtet

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Sabine Stadler
28. Mai 2026

Andreas Lutzmann hat in den letzten viereinhalb Jahren sein Bachelorstudium der Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen mit Erfolg abgeschlossen. Wir haben ihn zum Interview gebeten …

Lieber Andreas, gratuliere zum Bachelor-Titel! Wie fühlst du dich jetzt, wo du dein frisch gedrucktes Abschlusszeugnis in Händen hälst?

Stolz! Eine sehr coole Sache, dieses Ziel erreicht zu haben, mögliches Scheitern überwunden zu haben und dazu noch vieles gelernt zu haben – das fühlt sich gut an! Und es fällt schon eine große Last ab, da ich nun die für das Studium verwendete Zeit wieder anders nutzen kann.

Wenn du auf die Zeit zurückblickst, was hättest du gerne vor dem Studium gewusst?

Vom Ablauf her hätte ich gerne gewusst oder mir mehr bewusst gemacht, dass es praktisch keine „wirklich lehrveranstaltungsfreie Zeit“ gibt. Sobald die Klausuren fertig sind, beginnt gleich das nächste Semester. Das stresst ungemein und ließ mich immer angespannt sein. Man glaubt immer „am Ball sein“ zu müssen und jede Zeit nutzen zu müssen. Vom Inhalt her würde ich sagen, dass es sehr theoretisch war und wenig Praxisanwendung für mich sichtbar wurde.

Du bist ja selbst Bildungsberater. Für wen würdest du ein Fernstudium empfehlen – und für wen eher nicht?

Da es mein zweites Studium war, macht das schon einen großen Unterschied. Im ersten Studium an der Universität Salzburg absolvierte ich ein „klassisches“ Studium nach der Matura, mit viel Austausch und „Studentenleben“. Im Vergleich dazu war ich nun nur daheim, hatte wenig Kontakt mit Studienkolleg:innen. Für mich war es eine bewusste Entscheidung aus inhaltlichen Gründen und Interesse am Thema.

Die andauernde Selbstorganisation verlangt sehr viel ab! Trotzdem ist das Studium sehr gut aufgebaut, die online Angebote sind sehr gut und ich würde schon behaupten, dass ich viel gelernt hab *lacht*.

Das heißt ich empfehle es Personen, die sich des Fern- bzw. Online-Lernens bewusst sind, sich selbst Themen erarbeiten möchten und können und dennoch ein wissenschaftlich fundiertes Studium absolvieren möchten.

Warum hast du dich für ein Fernstudium entschieden – und warum genau für die FernUniversität in Hagen?

Die generelle Freiheit, wann und wo ich lernen kann, war eine coole Vorstellung, die sich auch bewahrheitet hat. Die ebenfalls wichtige Leistbarkeit als (einzige) öffentliche Fernuniversität (Deutschlands) hat dann den Ausschlag gegeben. Ein anderes Fernstudium wäre für mich zu kostenintensiv gewesen. Dass die FernUniversität in Hagen mit der JKU Linz zusammenarbeitet und dadurch auch in Österreich durch die Studienförderung förderbar ist, gab der Entscheidung mehr Sicherheit, einen qualitativ hochwertigen Weg zu gehen.

Wie sieht ein typischer Studientag aus?

Am Anfang des Semesters bekommt man ein Menge Lernunterlagen, sogenannte Studienbriefe. Je nach Modul waren das insgesamt zwischen 300 und 600 Seiten!

Den „Tag“ teilst du dir selbst ein. Dementsprechend hat mein „Tag“ meist erst abends begonnen. In den meisten Modulen wurden freiwillig Online-Mentoriate angeboten. Diese besuchte ich fast immer, um mich auf die Klausuren gut vorzubereiten.

Und so startet dann das Wintersemester Anfang Oktober und man lernt/studiert so dahin. Um zur Klausur zugelassen zu werden, muss man immer (Einsende-) Aufgaben positiv absolvieren. Da war mir wichtig, Teile davon vor Weihnachten zu schaffen, um auch hier 2 Wochen frei zu haben. Dann geht’s wieder weiter und schon sind die Klausuren da im März. Und mit Anfang April startet schon wieder das Sommersemester. Also keine Zeit zum Durchschnaufen!

Wie sehen die Prüfungen aus?

Die Prüfungen haben mich schon überrascht, da oft Multiple-Choice-Fragen vorkamen. Dazu noch klassische 1-aus-n oder x-aus-n, und nur in manchen Klausuren offene Fragen bzw. natürlich auch Rechenbeispiele, wo allerdings meist nur das Ergebnis einzugeben war. Für 6 Vor-Ort Klausuren fuhr ich nach München, die anderen 10 fanden online zu Hause statt.

Ein Seminar war vor Ort in Hagen – da habe ich dann in Echt gesehen, dass es einen wirklichen Campus gibt 😊. An diesen Tagen war der Austausch mit den Studienkolleg:innen schon lässig und die Präsentationen aller Seminararbeiten eine richtige „Fortbildung“ in sehr kompakter Zeit. Zuletzt musste die Bachelor Arbeit dann nur hochgeladen werden.

Was ist im Fernstudium schwieriger als gedacht – und was überraschend unkompliziert?

Ja, inhaltlich war es schon schwieriger als gedacht! Den Umfang der Studienbriefe zu lernen und dann oft nur in Multiple-Choice-Antworten wiederzugeben, war eine große Herausforderung. Die Seminar- und Bachelorarbeit wurde sehr streng beurteilt meiner Meinung nach, obgleich man praktisch kein wissenschaftliches Arbeiten im Studium dafür lernt!

Unkompliziert waren die zeitlich unterschiedlichen Angebote der Mentoriate und das Lernen mit Alt- und Übungsklausuren. Da stellt man sich am Semesteranfang einen guten Plan zusammen und hofft, dass man dann auch immer dafür Zeit hat.

Gab es einen Moment, in dem du ans Aufhören gedacht hast?

Oh ja – immer mal wieder! Mehr als 20 ECTS Punkte im Schnitt pro Semester waren nicht drin und deshalb dauerte das Studium auch viereinhalb Jahre – da wird man dann „Teilzeitstudent“ genannt. Das ist eine sehr lange Zeit, auch wenn ich es von Vorn herein so geplant hatte!

Ich habe einmal, um eine Woche, die Anmeldung zu den Klausuren verpasst und konnte unter keinen Umständen nachmelden. Also hatte ich plötzlich fast ein ganzes Semester „umsonst“ gelernt, bzw. musste nächstes Semester das gleiche nochmal lernen.

Und mir wurde bei einer Online Klausur nach der Identitätskontrolle in einem Breakout-Room nicht mitgeteilt, dass ich meine Kamera ausgeschaltet hatte. Diese war dann so lange schwarz, dass mein Klausurversuch annulliert wurde (ich hätte ja schummeln können).

Diese Missgeschicke und natürlich das Leben, das immer mal wieder etwas zu voll erscheint, kratzen an der Motivation. Zweimal war ich gesundheitlich recht angeschlagen während der Studienzeit. Das hat mich auch zweifeln lassen, ob ich das wirklich durchziehen soll und kann!

Welche Fähigkeiten entwickelt man im Fernstudium besonders stark?

Selbstverständlich eine Menge an fachlichen Fähigkeiten. Aber man lernt schon auch viel über sich und über persönliche Fähigkeiten! Und ganz sicher sind es spezielle Lernfähigkeiten, einen so großen Berg an Lernunterlagen aufzuteilen über das Semester und dann doch auf den Punkt abrufen zu können bei der Klausur. Andererseits ist es das große Durchhaltevermögen, eine spezielle Art der Resilienz sich wenig ablenken zu lassen, die Kreativität Lernorte zu finden und sich immer wieder zu motivieren,… Da könnt ich noch länger so weiter machen 😊

Danke für deine Zeit, jetzt habe ich noch eine Abschlussfrage: Wenn du zukünftigen Studierenden einen einzigen Tipp geben könntest – welcher wäre das?

Puh…nur einen? Vielleicht dürfen es ja eineinhalb sein, die zusammenhängen. Informiere dich so ausführlich als möglich über den Inhalt und Ablauf des Studiums und plane jedes Semester am Beginn möglichst genau – das hat mir sehr geholfen!

Andreas Lutzmann, MA B.Sc. ist Berater und stellvertretender Geschäftsführer bei der BiBer Bildungsberatung. Die Vielfalt an Bildungswegen begeistert ihn immer wieder aufs Neue. Besonders gerne arbeitet er kreativ an individuellen Lösungen in Beratungsgesprächen, denn jede Situation bringt neue Perspektiven und spannende Möglichkeiten mit sich. Energie holt Andreas sich bei seiner Familie, in der Natur und der Musik. Lernen begleitet ihn ständig, sowohl im Beruf als auch im alltäglichen Leben. 

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Sabine Stadler
Sabine Stadler ist Referentin in der Abteilung Bildung Jugend und Kultur in der Arbeiterkammer Salzburg. Sie hat an der Johannes Kepler Universität in Linz Wirtschaftswissenschaften studiert und 2004 ein Erasmus-Jahr in Finnland verbracht. Nach dem Studium war sie vier Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Paris Lodron Universität Salzburg tätig. 2011 übernahm sie für zwei Jahre die Bereichsleitung in einem Sozialökonomischen Betrieb. Nach der Geburt ihres Sohnes ist sie 2014 bei der Arbeiterkammer Salzburg in die Bildungsabteilung eingestiegen.

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