Aus dem aktuellen Mental Health Barometer von Studo und Instahelp wissen wir, dass mehr als die Hälfte der Studierenden ihren mentalen Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht beschreiben. Weibliche Studierende beschreiben ihren körperlichen und mentalen Gesundheitszustand schlechter als männliche Studierende. Sie fühlen sich auch mehr gestresst im Studium, nicht so sicher am Campus, eher beeinträchtigt vom aktuellen Weltgeschehen und fühlen sich mehr von soziokulturellen Unterschieden beeinflusst.
Wieso stellt sich bei männlichen Studierenden die Situation etwas anders dar?
Im Gespräch mit Dipl. Päd Markus Nötzold dem Geschäftsführer der Männerberatung Mannsbilder in Tirol versuche ich auf Spurensuche zu gehen. Wir haben uns dazu über einige soziokulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen unterhalten:
- „Durch mehr Leistung kann mehr erreicht werden“ kann von einem historischen Generationenvertrag ausgegangen werden. Vor längerer Zeit konnte zum Beispiel eine Eigentumswohnung einer Familie durch ein Gehalt finanziert werden. Heute finden wir uns hier an einem Wendepunkt dazu. Eine Eigentumswohnung zum Beispiel in Innsbruck kann kaum noch mit 2 gemeinsamen Gehältern finanziert werden. Das führt zu einem Bruch mit diesem ungeschriebenen Generationenvertrag
- Der derzeitige Trend zur Selbstoptimierung wird auch bei immer mehr Männern zu einer Falle. Resultierend daraus steigt ein Gefühl der Unbehaglichkeit und Druck auf das eigene Wesen.
- Formen von Gewalt: Ein Beispiel kann monetäre Gewalt sein. Wenn das Geld für die Unterstützung durch die Familie nicht mehr reicht, kann es zu finanziellen Engpässen kommen. Formen der strukturellen Gewalt – insbesondere bei Machtverhältnissen, bei denen empirisch belegt hauptsächlich Frauen betroffen sind, können auch als Beispiel dienen
- Frauen werden in ihren Einstellungen immer progressiver. Das ist mit der klassischen Rollenverteilung, welche bei ca. der Hälfte der Männer noch immer sehr verbreitet ist, nur schwer vereinbar.
- Familiengründung als kritischer Punkt im Leben: Im Zuge der Familiengründung treten oft finanzielle Engpässe auf. Es gilt eine oder mehrere Personen mitzuversorgen und gleichzeitig entsteht ein Einkommensverlust aufgrund von Betreuungspflichten. Diese Situation kann sich auch auf die Ausbildung auswirken.
Die angeführten Entwicklungen können durchaus zum Ergebnis beitragen, dass sich derzeit männliche Studierenden etwas besser in ihrer mentalen Gesundheit einstufen als weibliche Studierende.
Die Organisation Mannsbilder in Innsbruck bietet kostenlose und vertrauliche Beratung für Männer und männliche Jugendliche ab 12 Jahren an. Sie unterstützt bei Themen wie Lebenskrisen, Gewalt, Partnerschaftsproblemen, Vaterschaft und beruflichen Herausforderungen und fördert einen gewaltfreien und verantwortungsvollen Umgang mit Konflikten. Neben Einzel- und Gruppenberatungen organisiert Mannsbilder auch männlichkeitsspezifische Workshops, Bildungsangebote und Präventionsprojekte an mehreren Standorten in Tirol.
Ich bedanke mich für das interessante Gespräch!