Wenn alles zu viel wird – die psychologische Studierendenberatung bietet Unterstützung

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Sabine Stadler
5. Februar 2026

In unserer Mental-Health-Serie wollen wir euch auch Unterstützungsangebote vorstellen. Eine zentrale Einrichtung ist die psychologische Studierendenberatung. Sie begleitet bei der Wahl und beim Start des Studiums, unterstützt die persönliche Entfaltung und bietet Beratung bei studienbezogenen und persönlichen Fragen. Wir wollten es ganz genau wissen und haben mit der Leiterin der Psychologischen Studierendenberatung Salzburg, Mag.a Dr.in Bibiane Freunberger-Rendl gesprochen. Sie ist klinische und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin und hat sich unseren Fragen gestellt.

Was genau ist die Psychologische Studierendenberatung und mit welchen Anliegen können sich Studierende an dich und dein Team wenden?

Wir sind für die klassischen studentischen Themen, wie Lernschwierigkeiten, Prüfungsängste, Zeitmanagement da und natürlich auch für allen anderen belastenden Themen wie Einsamkeit, depressive Verstimmungen oder Ängste.

Was sind Fragen und Sorgen, mit denen Studierende häufig zu euch kommen?

Sehr häufige sind es Selbstzweifel und die Angst, nicht gut genug zu sein.

Viele Studierende zögern, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Ab wann ist ein Thema „groß genug“, um sich Hilfe zu holen?

Wenn man eine psychische Belastung über einen längeren Zeitraum, da sprechen wir von ungefähr einem Monat, wahrnimmt, aber diese nicht selbst oder in Gesprächen mit Vertrauten lösen kann. Und natürlich, wenn man sich in einer persönlichen Krise befindet, weil eine belastende Situation, zum Beispiel ein Todesfall in der Familie, eingetreten ist. Wir arbeiten eng mit den Serviceeinrichtungen der Hochschulen zusammen, um auch im Umfeld der betroffenen Studierenden notwendige Schritte in die Wege zu leiten.

Was möchtest du Studierenden sagen, die denken: „Meine Probleme sind nicht schlimm/groß genug“?

Viele Studierende haben Sorge, dass Sie einen Platz einnehmen, der für Härtefälle fehlen könnte. Aber das soll nicht die Sorge der Studierenden sein. Wer belastet ist, darf sich melden und wir Berater:innen entscheiden dann im Gespräch, welche weiteren Schritte sinnvoll sind.

Wie läuft ein Beratungsgespräch konkret ab und wie vertraulich ist die Beratung?

Das Angebot ist kostenlos und absolut vertraulich, es werden lediglich statistische Daten zB Alter oder welche Hochschule besucht wird, erhoben. Im Erstgespräch wird das Anliegen geklärt und besprochen, welche Themen einen belasten. Anschließend folgen in der Regel drei bis fünf Termine zur genaueren Analyse und zur Vermittlung von Kompetenzen zur Lösung der Thematik. Danach wird gemeinsam entschieden, wie es weitergeht.

Muss man mit Wartezeiten rechnen?

In Salzburg kann es zwei bis vier Wochen dauern, bis ein persönlicher Gesprächstermin verfügbar ist. Die Wartezeiten unterscheiden sich je nach Bundesland. Deswegen lieber früh melden! Unser Team ist sehr bemüht, rasch zu reagieren aber eben mit Blick auf die aktuelle Auslastung. Wer zeitnah einen Termin benötigt, kann auch auf das Angebot der Chat-Beratung zugreifen, hier beraten Psycholog:innen im textbasierten Chat-Gespräch: Psychologische Studierendenberatung Österreich

Was verändert sich bei Studierenden häufig schon nach wenigen Gesprächen?

Wir spüren eine große Entlastung, wenn die Studierenden merken, dass jemand zuhört, sie ernst nimmt und sie Raum finden für belastende Themen. Besonders berührend sind für uns die wertschätzenden Rückmeldungen in den Evaluierungen, vor allem die Dankbarkeit dafür, dass es dieses Angebot gibt.

Junge Menschen nutzen immer häufiger sogenannte „KI-Coaches“, die rund um die Uhr als eine Art psychotherapeutische Anlaufstelle dienen. Wie siehst du diesen Trend?

Ich sehe es als Ergänzung zu einem psychotherapeutischen Gespräch, aber nicht als Ersatz. Der Vorteil ist, dass die KI immer verfügbar ist. Problematisch kann sein, dass diese das Gefühl vermittelt, als würde sie einen kennen und eher bestätigend verfährt. Was durchaus positiv sein kann, wenn es in Richtung Selbsterkundung geht. In einer Therapiesitzung werde ich auch mal mit Themen konfrontiert, die unangenehm sein können. Ich muss mich an die Struktur und Vereinbarungen halten, das fehlt bei der KI.  Und in der Therapie stehen viel mehr Kanäle offen, wenn ich mit einem realen Gegenüber in einem gemeinsamen Raum spreche.

Prüfungsangst ist ein großes Thema. Was kann man ganz konkret tun, wenn diese auftritt?

Hier arbeiten wir mit den Studierenden auf mehreren Ebenen: Kann die Person Lernen lernen, wie sieht das Zeitmanagement aus, können Entspannungstechniken weiterhelfen oder welche Vorerfahrungen beeinflussen aktuelle Prüfungen.

Danke für das Gespräch!  

Weiterführende Links

Anmeldelink zum persönlichen Gespräch:  Persönliche Beratung: Studierendenberatung

Anmeldung zur Chat-Beratung: Psychologische Studierendenberatung Österreich

Neben dem Beratungsgespräch werden auch zahlreiche Workshops und Webinare angeboten, die auf den Websites der jeweiligen Bundesländer gebucht werden können. Zudem finden sich viele hilfreiche Tipps und Infos zu Themen wie „Prüfungsangst bewältigen“ oder „Lernen mit Erfolg“: https://www.studierendenberatung.at

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Sabine Stadler
Sabine Stadler ist Referentin in der Abteilung Bildung Jugend und Kultur in der Arbeiterkammer Salzburg. Sie hat an der Johannes Kepler Universität in Linz Wirtschaftswissenschaften studiert und 2004 ein Erasmus-Jahr in Finnland verbracht. Nach dem Studium war sie vier Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Paris Lodron Universität Salzburg tätig. 2011 übernahm sie für zwei Jahre die Bereichsleitung in einem Sozialökonomischen Betrieb. Nach der Geburt ihres Sohnes ist sie 2014 bei der Arbeiterkammer Salzburg in die Bildungsabteilung eingestiegen.

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