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Es ist Zeit für einen FH-Kollektivvertrag!

Bild von Hannah Czernohorsky
Hannah Czernohorsky
9. Dezember 2025

Seit nun über dreißig Jahren sind die Fachhochschulen ein wichtiger Teil des österreichischen Hochschulsystems und tragen als solcher dazu bei, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und junge Menschen sich bilden können. Die Lehrenden und Forschenden an den Hochschulen, genauso wie das allgemeine Personal, leisten also einen großen Beitrag zu Gesellschaft und Wirtschaft. Dennoch gilt für die 9.000 Beschäftigten der österreichischen Fachhochschulen etwas nicht, dass für 98% der Arbeitnehmer:innen in Österreich bereits fast selbstverständlich ist: ein Kollektivvertrag.

Was würde ein FH-Kollektivvertrag bringen?

In einem Kollektivvertrag sind viele Rechte von Arbeitnehmer:innen enthalten, die sonst in keinem Gesetz verankert sind. Dazu gehören beispielsweise Mindestlöhne und -Gehälter, jährliche Lohnerhöhungen, oder das Weihnachts- und Urlaubsgeld. Für den Fachhochschulbereich bedeutet das, dass vieles nicht einheitlich geregelt ist, sondern von FH zu FH unterschiedlich gehandhabt wird. Es gibt also keine branchenübergreifenden Mindeststandards bei Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Lohnsteigerungen finden selten automatisiert statt und müssen immer wieder individuell ausgehandelt werden. Auch was die Bezahlung von Überstunden, die Bedingungen für Sabbaticals oder die Anrechnung von Vordienstzeiten betrifft, sind die Fachhochschulen ein Fleckerlteppich.

Ein Kollektivvertrag für die Fachhochschulen würde also ein transparentes, modernes und einheitliches Lohn- und Gehaltssystem bringen. Er kann Arbeitsbedingungen und Anstellungen vereinheitlichen und für ein ausgewogeneres Machtverhältnis zwischen Beschäftigten und Dienstgeber:innen sorgen. Ein langfristiger Vorteil von einem Kollektivvertrag im FH-Sektor wäre die Verringerung von Einkommensunterschieden zwischen den Beschäftigten.

Deshalb kämpfen Betriebsräte der Fachhochschulen gemeinsam mit der GPA um einen Kollektivvertrag. Damit dieser gelingen kann, müssen aber auch die Arbeitgeber:innen mitmachen. Ganz konkret heißt das, dass die österreichische Fachhochschulkonferenz einen Dienstgeberverband gründen müsste, mit dem ein Kollektivvertrag vereinbart werden kann.

Warum ist der FH-Kollektivvertrag auch für Studierende wichtig?

Auch für Studierende sind die Arbeitsbedingungen der Lehrenden und Forschenden an ihrer Hochschule wichtig. Zum einen gibt es in Österreich viele studentische Beschäftigte, wie beispielsweise Tutor:innen oder Studienassistent:innen, die als Beschäftigte von einem Kollektivvertrag profitieren würden. Auch als zukünftige Jungwissenschafter:innen hätten sie viele Vorteile durch einen Kollektivvertrag.

Aber auch als Lernende haben Studierende Vorteile, wenn ihre Lehrenden gut abgesichert sind – so wie es eben durch einen Kollektivvertrag der Fall wäre. Durch mehr Sicherheit für die Beschäftigten und ein verbessertes Lohnsystem kann einem Brain Drain, also dem Abwandern guter Forschender und Lehrender ins Ausland oder in andere Branchen entgegengewirkt werden. Letztendlich sind nämlich gute Arbeitsbedingungen und sichere Anstellungsverhältnisse auch die Basis für exzellente Forschung und Lehre.

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